GEW Hessen News Feed http://dev.vbox.intern de_DE GEW Hessen Fri, 18 Sep 2020 03:49:49 +0200 Fri, 18 Sep 2020 03:49:49 +0200 TYPO3 EXT:news news-240 Mon, 20 Apr 2020 10:45:10 +0200 Setzt euch nicht gegenseitig unter Druck! https://www.gew-dill.de/home/details/240-setzt-euch-nicht-gegenseitig-unter-druck/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=2e3b58bf0982635ed4b6177ac02430c4 Macht nur das, was verantwortlich ist! 20. April 2020 Liebe Kolleginnen und Kollegen,

aus euren Rückmeldungen wissen wir, dass sehr viele – ebenso wie wir – mit Empörung auf die Ankündigung von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) zur schrittweisen Wiederaufnahme des Unterrichts an hessischen Schulen reagiert haben. Dabei geht es nicht um den Wiedereinstieg in den Unterricht selbst – diesen wünschen wir uns alle. Aber dieser Wiedereinstieg muss verantwortungsvoll und mit großer Umsicht organisiert werden. Die Aussage des Ministers in der Landespressekonferenz, man könne „nicht warten, bis die letzte Toilette auf dem neusten Stand ist", ist angesichts der bedrückenden baulichen Zustände in vielen Schulen nicht hinzunehmen.

Gruppengrößen und Hygienestandards

Gerade mit Blick auf die Grundschulen halten wir es für unmöglich, bei den vom Minister ins Spiel gebrachten 10 bis 15 Kindern im Raum die gebotenen Abstandsregeln einzuhalten. Für Verkaufsflächen gilt nach wie vor, dass nur ein Kunde pro 20 m2 in den Laden hinein darf. Warum soll es bezogen auf Klassenräume gänzlich andere Regelungen geben? 

Wir fordern als GEW Hessen weiterhin am Alter der Kinder orientierte maximale Gruppengrößen und das sind für die Grundschule – analog zur Notbetreuung – 5 Kinder, um so auch die  Einhaltung der Abstandsregeln wenigstens im Klassenraum zu ermöglichen.

Wir brauchen verbindliche Vorgaben für die Verfügbarkeit von Desinfektionsmitteln und – falls erforderlich oder gewünscht – von Mundschutz, sowie die Ausstattung der Klassenräume mit Handwaschmöglichkeiten, Seife und Einmalhandtüchern. Zudem muss es Regelungen zum Ausschluss von Kindern vom Unterricht geben, die Erkältungssymptome zeigen oder Hygieneregeln massiv missachten. 

Um Zeit für die nötigen Vorkehrungen zu haben, muss die Landesregierung ihre Entscheidung mindestens für die Grundschulen korrigieren. Auch einige Landräte haben schon deutlich gemacht, dass es hier noch viel zu klären und erledigen gäbe. Dies betreffe das Umräumen und Reinigen der Klassenzimmer für kleinere Gruppengrößen, die Verpflegungsfrage bei in den Nachmittag reichenden Unterricht, das Abwischen der Türklinken oder die Beförderung mit dem Bus.

Risikogruppen nicht im Präsenzunterricht!

Nach den letzten Änderungen der Corona-Verordnung vom 18. April 2020 sind Schülerinnen, Schüler, Studierende und Lehrkräfte, die bei einer Infektion mit dem SARS­CoV­2Virus dem Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ausgesetzt oder älter als 60 Jahre alt sind (Risikogruppe), vom Schulbetrieb weiterhin befreit. Gleiches gilt für Schülerinnen, Schüler, Studierende und Lehrkräfte, die mit Angehörigen einer Risikogruppe in einem Hausstand leben. Dies bedeutet aber, dass in den Schulen viele Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte fehlen werden. Es darf nicht passieren, dass einzelne Pädagoginnen und Pädagogen überlastet werden, weil sie die Arbeit der -  nicht im Präsenzunterricht tätigen - Kolleginnen und Kollegen mit übernehmen müssen. Alle Beschäftigten, die für Präsenzunterricht  und Notbetreuung zur Verfügung stehen, müssen so eingesetzt werden, dass ihre Gesundheit erhalten bleibt.

Wie weiter?

Wir wissen, dass in vielen Schulen diskutiert wird, wie der Wiedereinstieg konkret gestaltet werden soll und kann. Wir fordern euch und vor allem auch alle Schulleitungen auf: Setzt euch nicht gegenseitig unter Druck! Macht nur das, was verantwortbar ist! Das gilt für Gruppengrößen, Fachunterricht, Schichtbetrieb, Forderung nach Hygienestandards und vieles andere mehr. Berichtet dem Schulträger und dem Kultusministerium, was in den Schulen wirklich umsetzbar ist und was geht und fordert vor allem Verbesserungen ein. Selbst der Minister hat am Freitag im HR betont, dass die Entscheidung mindestens bezogen auf die 4. Klassen "epidemiologisch riskant" sei. 

Wir diskutieren viele zu klärende Probleme und Fragen am Montag mit dem Kultusministerium und informieren euch über die Ergebnisse und alle neuen Regelungen und Verordnungen. 

Bitte schaut regelmäßig auf die Landeshomepage www.gew-hessen.de und meldet euch per Telefon oder E-Mail, falls ihr Unterstützung braucht. Wendet euch an eure Personalräte und Personalrätinnen an den Schulen, denn sie sind eure gewählten Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter.

]]>
Aktuelles
news-239 Mon, 30 Mar 2020 13:39:40 +0200 Die Notbetreuung braucht klare Regeln! https://www.gew-dill.de/home/details/239-die-notbetreuung-braucht-klare-regeln/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=36c1767323096c8e29a81f101cc4d7f1 Corona-Pandemie: Notbetreuung in den Schulen an Wochenenden und Feiertagen und in den Osterferien Pressemitteilung 30. März 2020 Das Kultusministerium hat jetzt – wie schon länger erwartet – die Schulen angewiesen, für bestimmte Berufsgruppen auch an den Wochenenden, an Feiertagen und in den hessischen Osterferien eine Kindernotbetreuung zu sichern.

Birgit Koch, Landesvorsitzende der GEW Hessen, stellt fest: „Der Kreis der anspruchsberechtigten Berufsgruppen ist seit Mitte März mehrfach erweitert worden, ebenso ist die Voraussetzung, dass beide Elternteile zu einer systemrelevanten Berufsgruppe gehören müssen, weggefallen. Beides hat bisher nicht zu einer deutlichen Ausweitung der Zahl der Kinder in den Notbetreuungen geführt. Dies zeigt, dass alle Eltern, die es irgendwie anders regeln können, ebenfalls die zusätzlichen Kontakte in der Notbetreuung meiden. Das ist gut so und zeigt, wie verantwortungsbewusst alle mit der Situation umgehen!“

Gerade die pädagogischen Berufe sind Berufe, die mit einem erhöhten Sozialkontakt einhergehen. Insbesondere  bei jüngeren Kindern kann der vom Robert-Koch-Institut empfohlene Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden. Hinzu kommt, dass gerade Kinder und Jugendliche mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert sein können, ohne selbst Symptome zu zeigen. Gleichzeitig suchen sie gerade in belastenden Situationen den Körperkontakt.

Birgit Koch weiter: „Bevor jetzt in den Schulen Notfallpläne für eine Ausweitung des Angebots auf Wochenenden, Feier- und Ferientage erstellt werden, sollte der Bedarf erfasst werden. Für Lehrkräfte fordern wir eine absolute Freiwilligkeit des Einsatzes in der Notbetreuung. Lehrkräfte, die nach aktueller Einschätzung ein erhöhtes Risiko z.B. wegen des Alters oder durch Vorerkrankungen haben, dürfen nicht in der Notbetreuung eingesetzt werden.“

Maike Wiedwald, Landesvorsitzende der GEW Hessen: „Lehrkräfte, die eine Notbetreuung sicherstellen, sind einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Damit die Notbetreuung weiterhin gewährleistet werden kann, muss es klare Regeln für den Infektionsschutz  geben. Wir fordern für die Kolleginnen und Kollegen, die solche Dienste übernehmen, beste Bedingungen, insbesondere was Schutz- und Desinfektionsmaterial angeht.“

Für die Kolleginnen und Kollegen, die in der Notbetreuung eingesetzt sind, ist dies eine sehr anstrengende Tätigkeit. Gerade an der Grundschule kann man die Kinder nicht,  wie beim Abitur,   in zwei Metern  Abstand den ganzen Vormittag  nebeneinander setzen. Es ist es oft schwer, die notwendigen Abstandsregeln einzuhalten. Hinzu kommt auch die Angst um die eigene Gesundheit und die eigene Familie.

Maike Wiedwald weiter: „Allen in der Notbetreuung Beschäftigten muss ausreichend Zeit zur Erholung eingeräumt werden, insbesondere wenn Arbeit an sonst üblicherweise arbeitsfreien Tagen notwendig wird. Es muss eine Entlastung und einen Ausgleich danach oder während dieser Zeiten geben. Außerdem müssen diese Kolleginnen und Kollegen zugleich von allen anderen Aufgaben freigestellt werden, zum Beispiel von der Betreuung ihrer Klassen aus dem Homeoffice.“

Beide GEW-Landesvorsitzenden betonen noch einmal abschließend: „Die Arbeitnehmerrechte und die Mitbestimmung in den Schulen gelten auch in Krisenzeiten weiterhin. Wir erwarten, dass an den Schulen, an denen eine erweiterte Notbetreuung stattfinden soll, der Personalrat der Schule beteiligt wird.“ In diesem Zusammenhang kritisieren Wiedwald und Koch, dass die Gewerkschaften und der Hauptpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer auf der Landesebene systematisch missachtet werden und über alle Veränderungen zuerst über die Medien und die Internetseiten der Landesregierung erfahren. Dieses Misstrauen ist aus Sicht der Gewerkschaftsvorsitzenden „durch nichts gerechtfertigt“ und untergräbt die Motivation der Beschäftigten.

]]>
Aktuelles
news-238 Fri, 27 Mar 2020 11:16:28 +0100 Einstellung der Wahlvorbereitungen https://www.gew-dill.de/home/details/238-einstellung-der-wahlvorbereitungen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=e6c5067f3542e22690290e5db339a319 Beschluss des a.o. GVo am 26. März 2020 Der GVO begrüßt das Schreiben der Vorsitzenden an die Mitglieder des Landesvorstands und dessen Veröffentlichung auf der Homepage. Er empfiehlt allen Gliederungen in ihrem Bereich entsprechend zu verfahren oder den Brief der Vorsitzenden weiter zu geben.

Der Erlass des Innenministeriums vom 24. März 2020 zur Einstellung der Wahlvorbereitungen ergibt sich aus unserer Sicht nicht zwingend aus dem Gesetz des Landtags zur Verschiebung der Personalratswahlen. Außerdem gibt es rechtliche Zweifel, ob es für die Anordnungen des HMdI die nötigen Ermächtigungen durch den Gesetzgeber gibt. Die GEW wird diesen Fragen nachgehen, auch wenn durch den Erlass Fakten geschaffen wurden.

Die GEW wird jedoch sehr intensiv darüber wachen, dass die derzeitige Krise nicht genutzt wird, um die Rechte der Beschäftigten und ihrer Interessenvertretungen zu untergraben.

Auch wenn die gegenwärtige Pandemie-Lage keine Aussagen über den Termin der „längstens bis zum 31. Mai 2021“ verschiebbaren Wahlen zulässt, spricht sich die GEW für einen möglichst frühen Zeitpunkt aus, so dass die Übergänge in die Gremien gut organisiert werden können.

Sollte kein Konsens im Rahmen des DGB gefunden werden, wird die GEW auch prüfen, ob der Wahltermin für den Schulbereich mit über 2.000 örtlichen Personalräten einmalig auch unabhängig von den Wahlen in anderen Dienststellen des Landes Hessen festgesetzt werden kann. Sobald die Schulen wieder geöffnet sind, wird die GEW dafür einen konkreten Zeitplan vorlegen.

Die GEW empfiehlt allen Personalräten, die von ihnen benannten Wahlvorstände schon jetzt auf die Möglichkeit und Notwendigkeit hinzuweisen, sie für einen neuen Wahlgang erneut zu benennen. Sie empfiehlt den Wahlvorständen auf allen Ebenen, die für die Wahl im Mai 2020 gesammelten Unterlagen und Beschlüsse aufzubewahren und zu dokumentieren, so dass bei der Einleitung eines neuen Wahlverfahrens lediglich eine Aktualisierung erfolgen muss. Für die Gesamtwahlvorstände betrifft dies insbesondere auch die Aufbewahrung der Kontaktdaten der örtlichen Wahlvorstände. Die GEW Hessen geht davon aus, dass die „neuen“ Gesamtwahlvorstände und der Hauptwahlvorstand erneut die Entlastung, wie sie der Erlass vom 6. November 2019 vorsieht, erhalten, weil die Organisation der PR-Wahlen in den Schulen mit den vielen Dienststellen sehr komplex ist und von vorne begonnen werden muss.

Die GEW hält die Regelung des Gesetzes, dass Beschlüsse der Personalräte „vorübergehend auch im Umlaufverfahren oder durch elektronische Abstimmung (Telefonkonferenz, Mail) erfolgen“ können, für erforderlich, sie weist aber darauf hin, dass dies nur möglich ist, wenn für die jeweiligen Personalräte auch Verfahren gefunden werden, an denen alle sich beteiligen können und für strittige Fragen Wege für Erörterungen gefunden werden. Die GEW unterstützt alle Personalräte nachdrücklich bei der Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Rechte auch in Zeiten der Corona-Pandemie.

Die GEW berät die Schulen, Hochschulen und andere Einrichtungen, bei denen die Arbeit der örtlichen Personalräte durch das Ausscheiden von Mitgliedern  aufgrund von Rücktritten, Versetzungen oder Eintreten des Ruhestandes eingeschränkt wird oder ganz zum Erliegen kommt, weil keine Nachrückerinnen und Nachrücker zur Verfügung stehen. Die GEW informiert dann über die Möglichkeit einer Neuwahl des Personalrats nach § 24 Abs.1 HPVG. In diesem Fall würde sich die Amtszeit eines neugewählten Personalrats bis zum übernächsten Wahltermin verlängern. Die GEW empfiehlt davon nur in Ausnahmefällen Gebrauch zu machen, um die Wahl der Personalräte aller Ebenen zum selben Zeitpunkt zu gewährleisten.

]]>
Aktuelles
news-237 Thu, 26 Mar 2020 11:09:00 +0100 Gesamtpersonalrat zu Homeschooling https://www.gew-dill.de/home/details/237-gesamtpersonalrat-zu-homeschooling/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=e17b97dfd509ef08c376fbacfc2eb7f3 Beschluss ‚Homeschooling‘ vom GPRLL MKK Die derzeitige gesellschaftliche, wirtschaftliche und gesundheitliche Krise führt in allen Bereichen zu Einschränkungen und der Notwendigkeit, neue Wege der Kommunikation zu beschreiten. Für die Schulen, die Lehrkräfte und die Schüler_innen heißt dies, dass sie über größtenteils improvisierte, größtenteils privatwirtschaftlich bereitgestellte Kommunikationswege und mit privat finanzierten Geräten Fortsetzung von Lernen, z.T. sogar Fortsetzung von Leistungsüberprüfung und Notengebung zu organisieren versuchen.

Auch wir als gewerkschaftlich organisierte Lehrkräfte stellen uns dieser Herausforderung und tun unser Bestes, um mit der derzeitigen schwierigen Situation umzugehen.

Grundsätzlich ist dazu zunächst einmal festzuhalten, dass es in der aktuellen Situation die wichtigste Aufgabe der Lehrkräfte sein muss, die jungen Menschen und indirekt auch die Eltern dabei zu unterstützen, die nächsten Wochen einigermaßen stabil und gut strukturiert zu überstehen. Dazu ist es sicher sinnvoll, ihnen interessante und wiederholende Arbeitsaufträge zu geben. Und es ist sicher nicht sinnvoll, sie mit Aufgaben zu überschütten und dann auch noch Notendruck auszuüben. Abgesehen davon ist es äußerst zweifelhaft, ob letzteres rechtlich überhaupt haltbar ist.

Vor allem in den Hauptschulen (teilweise auch an den Grundschulen) gibt es große Defizite und große Unterschiede hinsichtlich der computertechnischen Ausstattung, sowohl in den Schulen als auch in den Elternhäusern, und den Fähigkeiten, damit umzugehen. Wir haben große Sorgen, dass die fehlende reale Übungszeit im realen Unterricht vom Dienstherrn nicht berücksichtigt wird und für die Abschlussschüler_innen der Haupt- und Realschulen der Prüfungstermin Anfang Mai bestehen bleibt. Viele der Schüler_innen an den Hauptschulen lernen schlecht „selbstverantwortlich“ und können auch oft nicht auf Unterstützung vom Elternhaus hoffen. Viele brauchen die direkte Ansprache beim Lernen. Viele sind auf dem Lernstand „Lernhilfe“, was bedeutet, sie brauchen „direkte“ und „persönliche“ Hilfe, keine Lernprogramme.

Manche Schulleitungen nehmen da wenig Rücksicht, erwarten regelmäßige „digitale“ Aufträge und Rückläufe, die die Kolleg_innen dokumentieren sollen/müssen. Die Schüler_innen wiederum wissen seit ca. 4 Wochen von einem „Schulportal“ und sollen jetzt - sofort - damit umgehen können.
Man kann weder davon ausgehen, dass bei den Schüler_innen die notwendige Technik immer und überall vorhanden ist und funktioniert und auch bei den Lehrkräften kann man dies nicht. Im Übrigen kann der Dienstherr nicht verlangen, dass Lehrkräfte private Endgeräte für dienstliche Zwecke verwenden. Ebensowenig ist es derzeit sinnvoll und statthaft, die Lehrkräfte an die Schule zu beordern, damit sie von dort aus arbeiten.

Jetzt machen sich die jahrelangen Versäumnisse bei der Digitalisierung der Schulen bemerkbar. Wenn so etwas wie Homeschooling mit elektronischen Medien funktionieren soll, muss der Dienstherr dafür sorgen, dass die Lehrkräfte die entsprechenden Endgeräte zur Verfügung gestellt bekommen. Weiterhin muss er dafür sorgen, dass die Lehrkräfte gründlich fortgebildet werden. Und der Schulträger muss dafür sorgen, dass jede/r/m Schüler_in ebenfalls die notwendigen Endgeräte und Programme zur Verfügung stehen. Schließlich haben wir in Hessen ja immer noch die Lernmittelfreiheit. Und nicht zuletzt müssen die notwendigen Schritte und ritualisierten Abläufe vorher gründlich eingeübt werden, bevor man sich voll auf dieses Instrument verlässt.

All dies ist nicht geschehen, und die Lehrkräfte versuchen jetzt alles, um diese absolut desaströse Situation irgendwie zu managen. Jedem, der sich bemüht, gebührt große Dankbarkeit und großer Respekt. Aber alles, was da läuft, ist kein Unterricht im herkömmlichen Sinne und kann von daher auch keine Grundlage für Lernkontrollen oder Benotung sein.

Der Dienstherr ist nun gefordert, großzügige Regelungen für alle Beteiligten zu finden, was Notengebung, Klassenarbeiten, Lernkontrollen, Vergleichsarbeiten, Lernstandserhebungen usw. betrifft. Alles andere ist nur gut gemeinte Improvisation im Kontext einer nie dagewesenen Krise und sicher in großen Teilen auch löblich. Aber es löst die anstehenden Probleme in keinster Weise.
Was bei dieser ganzen Situation auch noch bedacht werden muss, ist die soziale Dimension. Wir wissen aus diversen Untersuchungen, dass der Bildungserfolg in Deutschland extrem stark von der sozialen Stellung der Elternhäuser abhängt. Dieser Effekt wird durch die derzeitige Situation enorm verstärkt. Je länger diese Situation anhält, umso stärker ist dieser Effekt und um so größer ist die Gefahr, dass ganze Gruppen von Schüler_innen vom Lernfortschritt abgehängt werden. Viele Eltern sind einfach nicht in der Lage dazu, den Schüler_innen kompetent und pädagogisch sinnvoll zur Seite zu stehen.

Besonders prekär ist dabei die Situation der Kinder von Geflüchteten und aller Kinder mit Migrationshintergrund, die ja nun überhaupt keine Chance haben, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern bzw. den Status Quo zu halten. Damit ist die jahrelange intensive und engagierte Arbeit von Grundschullehrer_innen in Frage gestellt. Von den emotionalen Irritationen ganz zu schweigen.
Aus all diesen Gründen ist es äußerst wichtig, dass das Kultusministerium nun baldmöglichst eine mittel- und langfristige Strategie entwirft, wie den Verwerfungen, die durch diese beispiellose Krise entstanden sind, begegnet werden soll.

]]>
Aktuelles
news-234 Wed, 25 Mar 2020 10:24:00 +0100 Personalratswahlen 12. und 13. Mai 2020 https://www.gew-dill.de/home/details/234-personalratswahlen-12-und-13-mai-2020/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=76d5653e272e86957117c71189378474 Kandidatur überlegen Aus: GEW regional Januar 2020 Personalräte sind die Stimme der Beschäftigten gegenüber der Schulleitung.

Personalräte

  • achten darauf, dass rechtliche Vorschriften, die zu Gunsten der Kolleginnen und Kollegen bestehen, eingehalten werden
  • wachen darüber, dass die Beschäftigten gleich und gerecht behandelt werden
  • nehmen Beschwerden entgegen und wirken darauf hin, dass Missstände beseitigt werden
  • vermitteln bei Konflikten
  • starten Initiativen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Nicht nur bei personellen Entscheidungen wie Einstellungen und Versetzungen, Abordnungen und der Besetzung von Funktions-stellen haben die Personalräte ein Mitbestimmungsrecht, sie sind unter anderem in Fragen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu beteiligen und wirken auch bei technischen Neuerungen und der Gestaltung unserer Arbeitsplätze mit, in Bereichen also, die angesichts der zahlreichen Aufgaben und sich verändernden Arbeitsbedingungen immer mehr Gewicht bekommen.

Personalräte benötigen die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen. Sie brauchen den Rückhalt der Menschen, die sie vertreten und sollten durch eine hohe Akzeptanz und eine starke Wahlbeteiligung der Kolleginnen und Kollegen gestützt werden, die damit ausdrücken, dass das demokratische In-strument der Personalvertretung gewollt und verteidigt wird.

Kolleginnen und Kollegen brauchen Personalräte! Deswegen: Eigene Kandidatur überlegen und Wahlrecht am 12./13. Mai 2020 wahrnehmen!

www.gew-prwahl2020.de

]]>
Aktuelles
news-236 Mon, 02 Mar 2020 08:57:18 +0100 „Der führerlose Aufzug“ | Leipziger Pfeffermühle https://www.gew-dill.de/home/details/236-der-fuehrerlose-aufzug-leipziger-pfeffermuehle/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=cfff543a8f26db06acb3ac74ce5caeb2 Do, 23.04.2020, 19.30 Uhr Kabarett | KUSCH (Kulturscheune), Herborn Nach den erfolgreichen Auftritten der letzten Jahre konnten wir erneut das Leipziger Kabarett „Pfeffermühle“ mit einem großartigen Programm gewinnen: DER FÜHRERLOSE AUFZUG - Ein Kabarettprogramm in vier Drahtseilakten -

„Unrasiert und fern der Heimat? Dann Herzlich Willkommen im Hotel der Leipzi-ger Pfeffermühle. Eine Absteige mit Niveau. Hier teilen sich Witz und Verstand ein Zimmer, der Roomservice kredenzt den filetierten Zeit-geist an gepfefferter Pointe und die Zimmer-mädchen geben ihren Senf dazu… An der Bar gibt es neben Gags und Snacks auch geistige Getränke – schütten Sie sich aus vor Lachen, wir schenken Ihnen nach. Meigl Hoffmann, der Elefant terrible des Leipziger Brett’l und Bernard Paschke, der Rainman des politischen Kabaretts, nehmen kein Brett vor den Kopf. Die Kofferträger des feinen Humors ecken an – aber das kommt in den besten Kreisen vor.“ (Programmbeschreibung, ©Leipziger Pfeffermühle 2020)

GEW-Mitglieder des KV Dill haben freien Eintritt, für alle anderen kostet die Karte 10 €. Ab 19.00 Uhr ist die Abendkasse für alle Besucher geöffnet. Zu der Veranstaltung laden wir alle Mitglieder, Freunde und Interessierte herzlich ein und bitten, auf die Veranstaltung in den Schulen aufmerksam zu machen.

Anschreiben

Flyer

Plakat

Die Veranstaltung ist Teil des Programms der „Woche der Arbeit“, mehr Infos dazu unter www.igmetall-herborn.de

Kundgebung am 1. Mai 2020, Marktplatz Herborn, 11 Uhr

]]>
Aktuelles
news-235 Tue, 14 Jan 2020 10:36:47 +0100 Teilzeit – geteilte Zeit? https://www.gew-dill.de/home/details/235-teilzeit-geteilte-zeit/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=82f69348eaff699662536e2df4a21897 Aus: GEW regional Januar 2020 Die Gründe „in Teilzeit zu gehen“ sind für uns Beschäftigte an Schulen ganz verschieden. Neben vielfältigen persönlichen Gründen sind familiäre Anlässe – die eigenen Kinder oder die Pflege naher Angehöriger – Auslöser für einen Teilzeitantrag. Gut, dass es die Möglichkeiten der Teilzeit gibt, um mit den eigenen Kräften und der eigenen Lebenszeit sinnvoll haushalten zu können.

Die Ernüchterung kommt oft, wenn uns klar wird, dass Teilzeit zwar die Zahl der wöchentlichen Pflichtstunden auf das beantragte Maß reduziert, im Arbeitsalltag aber der immer größer und bunter werdende Strauß zusätzlicher Aufgaben und Dienstpflichten zu 100 Prozent anfällt.

Eine Aufteilung der Pflichten fällt eher leicht bei Pausenaufsichten, Vertretungsunterricht, Betreuung von Betriebspraktika, Projekten, Präsenzzeiten am Elternsprechtag oder bei Mehrarbeit. Bei diesen „teilbaren Dienstpflichten“ sorgt die Schule in der Regel schon dafür, dass die zeitliche Beanspruchung nur anteilig der reduzierten Pflichtstundenzahl erfolgt.

Schwieriger ist der Umgang mit unseren sogenannten „unteilbaren Dienstpflichten“. Hier wird in der Regel 100 Prozent verlangt: Teilnahme an Konferenzen und pädagogischen Tagen, Prüfungen, Klassenfahrten, Einsatz als Klassenlehrkräfte, Fort- und Weiterbildung und auch zusätzliche Aufgaben oder sogenannte „besondere Aufgaben“, die wir z.B. im Rahmen einer Funktionsstel-le betreuen.

Bereits 2015 stellte das Bundesverwaltungsgericht dazu fest, dass bei Teilzeit eine Gesamtbetrachtung der dienstlichen Tätigkeiten zu erfolgen hat (BVerwG 2 C 16.14 vom 16.07.2015). Das heißt, dass Teilzeitbeschäftigte, die wegen der Wahrnehmung von nicht teilbaren Aufgaben überproportional belastet werden, in anderen Bereichen zu entlasten sind. Diese Entlastung kann auch in Bereichen erfolgen, die mit der Wahrnehmung der „unteilbaren“ Tätigkeit nicht in Zusammenhang stehen. Das bedeutet auch, dass bei der Übertragung von Funktionstätigkeiten und bei besonderen und zusätzlichen Aufgaben der Teilzeitquote Rechnung zu tragen ist bzw. ein zeitlicher Ausgleich durch entsprechend geringere Heranziehung zu anderen Aufgaben erfolgen muss.

Noch spiegelt sich das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nicht in den amtlichen Verordnungen wider – der Anspruch für die Beschäftigten in Teilzeit gilt aber unbenommen und verlangt rechtskonforme Regelungen in den Schulen. Sie können zwischen Personalrat und Schulleitung im Rahmen von Dienstvereinbarungen ausgehandelt und beschlossen werden.

Die GEW unterstützt und berät gerne bei der Ausgestaltung solcher Vereinbarungen und informiert zur Rechtsgrundlage.
 

]]>
Aktuelles
news-233 Tue, 14 Jan 2020 09:11:33 +0100 A 13 für alle https://www.gew-dill.de/home/details/233-a-13-fuer-alle/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=d530cb61789a6d9296de7cf69403ea8f Aus: GEW regional Januar 2020 A 13 für alle - das fordert die GEW bundesweit seit etlichen Jahren und wird nicht müde, damit für eine gerechte Bezahlung von Grundschullehrerinnen und -lehrern einzutreten. Sie tut dies mit öffentlichen Kundgebungen und Aktionstagen, um auf die Misere aufmerksam zu machen.

Nicht ohne Erfolg, denn inzwischen haben sieben Bundesländer beschlossen oder angekündigt, Grundschullehrkräfte nach A 13 zu besolden bzw. EG 13 als tarifliches Gehalt zu zahlen.

Hessen steht 2019 bei diesem Thema im bundesweiten Vergleich an 13. Stelle bei gleichzeitig höchster Unterrichtsverpflichtung für die Grundschullehrerinnen und -lehrer und Aufgaben, die immer vielfältiger und belastender werden. Es muss sich also dringend etwas ändern!

Argumente wie unterschiedliche Ausbildung und unterschiedliche Anforderungen im Schulalltag sind jedenfalls nicht tragfähig, denn die Arbeit in den Grundschulen ist ja nicht weniger anspruchsvoll, nur weil es hier um jüngere Kinder geht.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier würdigte zum 100. Geburtstag der Grundschule, dass hier „die Weichen für die Zukunft unserer Demokratie“ gestellt würden. Außerdem werden im Unterricht der Primarstufe die Grundlagen für den weiteren Schulerfolg unserer Schülerinnen und Schüler gelegt. A 13 auch für Grundschullehrkräfte bedeutet folglich Wertschätzung und Anerkennung dieser wichtigen Arbeit.

Eine einheitliche Eingruppierung ist nach Ansicht der GEW auch geboten, um die Arbeit an der Grundschule attraktiver zu machen, was angesichts des Mangels an Fachkräften für diesen Schulzweig dringend notwendig ist.

]]>
Aktuelles
news-231 Mon, 25 Nov 2019 12:36:10 +0100 A13 für alle! Bericht über die Aktion https://www.gew-dill.de/home/details/231-a13-fuer-alle-bericht-ueber-die-aktion/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=550d30df8719abbcbbd72665c6feee92 GEW-Kreisverbände Dill und Wetzlar Besuch bei CDU MdL Steinraths und Müller | 15. November 2019 Ein angeregtes eineinhalbstündiges Gespräch über den Lehrerberuf, Schulwirklichkeit und einheitliche Besoldungsstufen für alle Lehrkräfte hat eine 13-köpfige Delegation der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mit den beiden CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Michael Müller und Frank Steinraths geführt.

Unter dem Motto „A13 für alle!“ führt die Lehrergewerkschaft bundesweit eine Kampagne zur Gleichstellung der Lehrkräfte an Grundschulen mit denen an anderen Schulformen durch. Um klarzumachen, „wohin die Reise auch in Hessen zu gehen hat“, haben die GEW’ler den Mandatsträgern der schwarz-grünen Regierungskoalition ein Köfferchen mit Kartenmotiven aus Bundesländern wie Sachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein überreicht, wo die Lehrerbesoldung inzwischen von A 12 auf A 13 angehoben wurde.

„Wenn Hessen den Grundschullehrern nicht entgegen kommt, wird es Abwanderungen in andere Bundesländer geben. Das gefährdet die Grundschulbildung. Und hier werden die Grundlagen für Wissenserwerb und den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft gelegt“, argumentierte der Wetzlarer GEW-Kreisvorsitzende und stellvertretende Gesamtpersonalratsvorsitzende Jens Hormann.

Die beiden CDU-Politiker brachten ihre Wertschätzung für die pädagogische Arbeit an den Grundschulen zum Ausdruck. Die Position, wonach an Grundschulen „eh nur Plus und Minus gerechnet wird“ und das Studium kürzer sei als in anderen Lehrämtern, machten sie sich ausdrücklich nicht zu eigen. „Das Ganze ist für uns eine Frage der finanziellen Ressourcen und der Schwerpunktsetzung in der Bildungsplanung“, entgegnete MdL Müller. Der finanzielle Mehraufwand bei Erfüllung der GEW-Forderung betrage jährlich 70 Millionen Euro. Das gebe die Haushaltslage nicht her. „Unsere Priorität besteht darin, dass wir hunderte zusätzliche Stellen für den Mehrbedarf an Sozialarbeit an Schulen schaffen und die Schulleitungen bei Verwaltungsarbeiten personell unterstützen“, positionierten sich die beiden CDU-Abgeordneten.

„Wertschätzung hat natürlich mit angemessener Entlohnung zu tun, das sollten Sie als die Spielregeln des Kapitalismus bejahende Partei doch wissen“, wurde Müller und Steinraths entgegnet. „Wir Grundschullehrerinnen sind ‚Mutterkühe‘, wir geben in unserem Job alles, müssen aber auf die Bremse treten, um nicht krank zu werden“, warf eine Lehrerin aus Leun ein.

„Die Dringlichkeit der Probleme ist bei der Politik offenbar noch nicht angekommen. Die Zahl verhaltensauffälliger Grundschüler hat rapide zugenommen. Es wird erwartet, dass fehlende Erziehung im Elternhaus von uns zusätzlich zur Wissensvermittlung gestemmt wird. Der Papierkram ist überbordend, wir führen mit den Eltern Lernstandsgespräche, die oft eine Stunde dauern. Inklusion funktioniert überwiegend nicht, es mangelt in den Schulen an Sauberkeit und Hygiene. Die Putzdienste wurden outgesourced, Rückmeldungen laufen ins Leere“, monierten die Lehrkräfte.

Ein von Kultusminister Lorz (CDU) an den Grundschulen verteilter Brief mit der Bitte, die Landesbediensteten in Teilzeit möchten doch die Zahl der erteilten Wochenstunden erhöhen, um eine volle Unterrichtsabdeckung zu gewährleiten, wird von GEW-Mitglied Heike Köndgen (Grundschule Steindorf-Albshausen) als zynisch empfunden: „Wir entlasten uns selbst durch Teilzeit, um dem gewachsenen Druck nachkommen zu können. Das hat zur Konsequenz, dass uns das später bei der Rente fehlt. A13 für alle würde das abfedern.“

Eine symbolische Berechnung ihrer Benachteiligung bei der Besoldung hatte die Gewerkschaftsdelegation auch dabei: Ähnlich dem „National Overshoot-Day“ beim Ressourcenverbrauch wurde der 13. November als „erster Tag im Jahr 2019 mit unbezahlter Arbeit“ ermittelt. Frank Steinraths ist Mitglied des kulturpolitischen Ausschusses des hessischen Landtages. Er versprach, dort und in den Parteigremien die vorgetragenen Argumente anzuführen. Auch stehe er für weitere Gespräche und landespolitische Initiativen zur Verbesserung der Situation an den Schulen zur Verfügung.

]]>
Aktuelles
news-227 Mon, 04 Nov 2019 16:55:03 +0100 Kolleg*innen am Limit https://www.gew-dill.de/home/details/227-kolleg-innen-am-limit/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=5e58f3b0b6d7b3a5d3395cf266a5ea60 Überlastungsanzeigen im hessischen Schulbereich Aus: GEW regional September 2019 Viele Lehrerinnen und Lehrer beklagen eine stetige Zunahme ihrer Aufgaben bei gleichzeitiger Verschlechterung der Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz Schule. Die Hauptbelastungsfaktoren dabei sind: der adäquate Umgang mit „herausfordernden Schülerinnen und Schülern“, die Klassenstärke, nachlassende Unterstützung durch die Eltern, die hohe Zahl an Pflichtstunden sowie die überbordenden
Aufgaben im Schulverwaltungsbereich.

Jüngste Studien zur Arbeitszeit von Lehrkräften belegen eindeutig, dass die gestellten Aufgaben nicht im Rahmen der vorgesehenen Arbeitszeit geleistet werden können. Weitgehend ausufernde Arbeitszeiten auch am Abend, an den Wochenenden und in den Schulferien sind längst die Regel. Die allgemeine Ausweitung von Aufgaben und Verpflichtungen führt zwangsläufig zu einer Zunahme von Konferenzen, Dienstversammlungen bis hin zu Auswüchsen wie unrechtmäßigen „Präsenzzeiten“. In den zurückliegenden Jahren haben in ganz Hessen zahlreiche Lehrkräfte und ganze Schulkollegien Überlastungsanzeigen beim Kultusministerium eingereicht. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist das Arbeitsschutzgesetz. Danach sind Beschäftigte verpflichtet, dem Arbeitgeber eine unmittelbare erhebliche Gefahr zu melden, welche die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gefährdet. Die Beschäftigten sind in diesem Zusammenhang auch berechtigt, dem Arbeitgeber Vorschläge zu allen Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes zu machen.

Die Überlastungsanzeigen im hessischen Schulbereich sind genau wie Resolutionen, offene Briefe und Petitionen in der Presse und auch im Landtag immer wieder als Thema aufgegriffen worden. Das HKM hat auf die Überlastungsanzeigen der Kollegien weder mit angemessenen Maßnahmen noch mit einem breit angelegten Dialogangebot reagiert, um auszuloten, wie die geschilderten Missstände zumindest in der langen Frist behoben werden könnten. Häufig gab es nicht einmal eine Empfangsbestätigung, mit der Antwort wurden die Schulämter betraut. Darum haben die im GPRLL vertretenen Kreisverbände der GEW (Dill, Limburg, Oberlahn, Wetzlar) eine entsprechende Resolution, die von Grundschulkollegien des Schulamtsbereichs unterstützt wurde, an den Kultusminister Lorz übermittelt. Folgender Satz aus einer Überlastungsanzeige würde als resümierender Schluss unter jede andere Überlastungsanzeige passen:

„Aber nun ist es soweit, dass wir sowie alle anderen schulischen Mitarbeiter, wie Sekretärinnen, Schulsozialarbeiter und Hausmeister an unsere Grenzen stoßen: Die zum Wohl der Schülerinnen und Schüler getroffenen Maßnahmen belasten letztlich uns alle, denn sie bedeuten immer mehr und mehr Arbeit.“

Unabdingbare Maßnahmen, um gesundheitsförderlichen und modernen pädagogischen Ansprüchen genügende Arbeitsbedingungen herzustellen, sind aus unserer Sicht:

  • Reduzierung der Arbeitszeit
  • mehr Entlastung für Mentorentätigkeit und Koordinierungsaufgaben
  • kleinere Lerngruppen
  • deutliche Erhöhung der Stellenzuweisung insbesondere für echte Ganztagsschulen sowie für besonders belastete Schulen
  • mindestens eine sozialpädagogische Fachkraft sowie eine Förderschullehrkraft pro drei Klassen im Rahmen der Inklusion.
  • Entlastung für Elternarbeit und die Mitarbeit in multiprofessionellen Teams
  • Reduzierung der Belastung durch bürokratisch-administrative Aufgaben
  • Etablierung eines echten Unterstützungssystems für Lehrkräfte mit hochwertigen Fort- und Weiterbildungsangeboten

Unabdingbar und längst überfällig ist in unseren Augen auch eine durchgängige A13-Besoldung für alle Grundschullehrkräfte. Die wirksame Anerkennung der Leistungen und die Attraktivität des  Lehrberufs stehen hier auf dem Spiel. Geradezu zynisch wirken dazu die jüngsten Worte des Kultusministers: „Wir beobachten die Lage auf dem Arbeitsmarkt und das Verhalten anderer Länder. Wir reden […] vom Gegenwert von etwa 1500 Lehrerstellen. Es stellt sich also die Frage, ob man das Geld in eine Besoldungsanhebung investiert oder in zusätzliche Lehrerstellen.“ (Dill-Post vom 15.08.2019)

Wir erwarten die versprochene „Entlastung für Schulen und Lehrkräfte“ aus dem Koalitionsvertrag und fordern sowohl substanzielle Maßnahmen als auch A13 für Alle!

]]>
Aktuelles